Kritische Systeme auf die Abschaltung von PSTN, 2G & 3G vorbereiten

17. Juli 2026 7 min gelesen Person in einem blauen karierten Hemd vor einem sauberen weißen Studiohintergrund. von Grant Gallacher

Mit der Abschaltung der PSTN-, 2G- und 3G-Netze sind Ihre Notrufsysteme gefährdet. Erfahren Sie, wie Sie Ihre Infrastruktur rechtzeitig migrieren können.

In ganz Europa verabschieden sich Telekommunikationsanbieter von bewährten Kommunikationstechnologien wie PSTN, ISDN, 2G und 3G. Obwohl diese Netze jahrzehntelang zuverlässige Konnektivität geboten haben, wird ihr Betrieb zunehmend kostspielig, weshalb die Anbieter ihren Fokus nun auf LTE- und IP-basierte Infrastrukturen verlagern.

Für Unternehmen, die auf Notrufkommunikationssysteme angewiesen sind, bedeutet dieser Wandel weit mehr als ein gewöhnliches Technologie-Upgrade. Aufzüge, Alarmanlagen, medizinische Geräte und weitere kritische Infrastrukturen nutzen in vielen Fällen noch Altnetze, deren Abschaltung bevorsteht. Wer versteht, wie sich diese Veränderungen auf bestehende Systeme auswirken, legt den Grundstein für eine künftig verlässliche Kommunikation.

Warum Altnetze abgeschaltet werden

Fast ein Jahrhundert lang bildete das öffentliche leitungsvermittelte Telefonnetz (PSTN) – häufig auch als POTS (Plain Old Telephone Service) bezeichnet und den meisten als herkömmliches Festnetztelefon bekannt – das Fundament der weltweiten Kommunikation. Später erweiterten digitale Dienste wie ISDN und Mobilfunktechnologien wie 2G und 3G diese Möglichkeiten maßgeblich und revolutionierten die drahtlose Kommunikation zwischen Maschinen (M2M). Diese Technologien wurden besonders wegen ihrer Einfachheit und der konstanten Zuverlässigkeit („always-on“) geschätzt.

Mittlerweile ist jedoch ein Wendepunkt erreicht. Telekommunikationsanbieter stehen vor dem Problem der „technischen Schulden“, denn die Instandhaltung alter Kupferleitungen und veralteter Mobilfunkhardware ist nicht mehr wirtschaftlich. Die Geräte sind energieineffizient, Ersatzteile werden knapp, und das spezialisierte Fachpersonal für diese Systeme geht in den Ruhestand. Infolgedessen nutzen Anbieter ihre Frequenzen nun für 4G-LTE- und 5G-Netze, die deutlich höhere Bandbreiten und geringere Latenzen bieten.

Für Unternehmen besteht die Herausforderung darin, dass viele kritische Systeme nach dem „Set-and-Forget“-Prinzip installiert wurden. Geräte, die vor fünfzehn oder zwanzig Jahren verbaut wurden, übertragen möglicherweise immer noch Daten über 2G oder sind auf eine analoge Festnetzleitung angewiesen. Mit der Abschaltung dieser Netzwerke geht es bei der Modernisierung nicht nur um einen Wechsel des Anbieters, sondern um einen grundlegenden Wandel von leitungsvermittelten, analogen Strukturen hin zu paketvermittelten, digitalen Infrastrukturen. 

Zentrale Abschaltfristen, die Sie nicht ignorieren dürfen

Die Abschaltung von PSTN-, 2G- und 3G-Netzen ist weltweit bereits im Gange. Zu wissen, wann diese Dienste in Ihrer Region außer Betrieb genommen werden, ist der erste Schritt, um kritische Systeme vor unerwarteten Ausfällen zu schützen.

  • Großbritannien – Sämtliche britischen 2G- und 3G-Netze sollen spätestens bis 2030 abgeschaltet werden. Der Umstieg auf 4G und 5G ist bereits angelaufen, wobei die Netzbetreiber ihre Altdienste nach eigenen Zeitplänen außer Betrieb nehmen.
  • USA – Die meisten großen US-Anbieter haben ihre 2G- und 3G-Netze bereits abgeschaltet; flächendeckende 3G-Dienste wurden größtenteils bis Ende 2022 eingestellt. Unternehmen, die weiterhin auf Mobilfunkverbindungen älterer Generationen setzen, sollten ihre Infrastruktur jetzt überprüfen, denn 4G LTE und 5G sind der neue Kommunikationsstandard.
  • EU – Die Abschaltung von PSTN-, 2G- und 3G-Netzen schreitet europaweit voran; die Zeitpläne variieren jedoch je nach Land und Betreiber. Während einige Staaten den Übergang bereits abgeschlossen haben, planen viele andere, die Altnetze bis 2028 oder später außer Betrieb zu nehmen, wobei der Ausbau der 4G-/5G-Infrastruktur vorangetrieben wird.
  • Australien – Australien hat die Abschaltung seiner 3G-Netze im Jahr 2024 vollzogen; sämtliche großen Anbieter setzen nun auf 4G und 5G. Der Umstieg hat bereits Auswirkungen auf zahlreiche Geräte, die noch auf Altverbindungen angewiesen sind, weshalb Organisationen zwingend prüfen sollten, ob ihre kritischen Systeme mit modernen Netzen kompatibel sind.

Welche kritischen Systeme werden nicht mehr funktionieren?

Die Abschaltung betrifft nicht nur IT-Abteilungen – sie ist eine zentrale Herausforderung für Gebäudemanager, Sicherheitsverantwortliche und Brandschutzbeauftragte in unterschiedlichsten Branchen. Da veraltete Technik oft „unsichtbar“ in der Gebäudetechnik verbaut ist, wird das tatsächliche Ausmaß der Auswirkungen häufig unterschätzt.

  • Aufzugssicherheit

Besonders betroffen ist der Bereich der Aufzugsanlagen. In vielen Regionen schreiben Bauvorschriften eine funktionierende Notrufkommunikation im Aufzug zwingend vor. Traditionell basieren diese Verbindungen oftmals auf PSTN-Leitungen oder 2G/3G-Gateways. Wird das jeweilige Netz abgeschaltet, kann eine im Aufzug eingeschlossene Person keinen Notruf mehr absetzen – ein erhebliches Sicherheitsrisiko und ein großes Haftungsrisiko für den Gebäudeeigentümer. 

  • Sicherheits- und Brandmeldeanlagen

Viele klassische Alarmzentralen kommunizieren mittels DTMF-Tönen über Festnetzleitungen oder 2G-Signale mit der Notruf- und Serviceleitstelle (NSL). Mit der Abschaltung dieser Netze ist eine solche Alarmübertragung bei Brand- oder Einbruchfällen nicht mehr möglich. 

  • Gesundheitswesen und Hausnotruf (ou Telepflege)

Im Gesundheitsbereich setzen Notrufarmbänder und häusliche Überwachungssysteme für ältere Menschen häufig auf 2G- oder 3G-Konnektivität. Für diese Nutzer ist ein Ausfall der Verbindung keine bloße Unannehmlichkeit – sondern eine potenziell lebensbedrohliche Situation. 

  • Infrastruktur und Zutrittskontrolle

Hilfspunkte in Parkhäusern, Türsprechanlagen und Fernüberwachungsstationen im Versorgungsbereich nutzen oft ältere Mobilfunkmodule. Ohne eine proaktive Migration werden diese Systeme einfach nicht mehr funktionieren, was zu einem Betriebsstillstand führen wird.

Die Vorteile der Migration auf ein IP-basiertes System

Die Abkehr von veralteten Netzwerken ist eine Chance, auf eine widerstandsfähigere und intelligentere Infrastruktur umzusteigen. Der Umstieg auf LTE (4G) und IP-basierte Kommunikation bieten Vorteile, die weit über eine bloße Konnektivität hinausgehen.

Moderne Infrastrukturen ermöglichen Fernverwaltung und Diagnose. Anders als bei einer „stummen“ analogen Leitung, deren Ausfall erst im Notfall bemerkt wird, lassen sich IP-basierte Systeme in Echtzeit überwachen. Cloud-basierte Management-Plattformen können sofort Alarm schlagen, sobald ein Gerät offline geht, und so eine proaktive Wartung ermöglichen.

Darüber hinaus vereinfacht der Wechsel zu digitalen Protokollen die Integration von Notrufsystemen in moderne Leitstellen erheblich. Dies ermöglicht eine hochwertigere Audioübertragung und eröffnet zusätzlich die Möglichkeit, während eines Notrufs Videos oder detaillierte Daten zu übermitteln, sodass Einsatzkräfte eine bessere Lageeinschätzung erhalten.

Die richtige Migrationsstrategie wählen: VoLTE vs. VoIP

As organizations look toward 4G LTE as the primary successor, they must choose between two distinct technical paths: VoLTE and VoIP. This choice is particularly vital for systems that rely on signaling, like elevators.

VoLTE (Voice over LTE)

VoLTE ermöglicht Sprachkommunikation direkt über das LTE-Mobilfunknetz. Dies ist heute die Standardmethode, mit der Mobilfunkanbieter Sprachdienste bereitstellen.

  • Vorteile:
    • Verfügbarkeit: Heute gibt es auf dem Markt eine große Auswahl an VoLTE-fähigen Gateways.
    • Native Unterstützung: Es handelt sich um den Standarddienst der Mobilfunkanbieter, was die Implementierung für reine Sprachanwendungen vergleichsweise einfach macht.
  • Einschränkungen und Risiken:
    • DTMF-Integrität: Dies ist das zentrale Problem für den Aufzugs- und Alarmbereich. VoLTE verwendet stark komprimierte Audiocodecs, die für die menschliche Stimme optimiert sind. Diese Codecs verfälschen häufig DTMF-Signale (Dual-Tone Multi-Frequency) – also die Töne, mit denen beispielsweise Daten wie „Aufzug mit der ID 402“ übermittelt werden.
    • Protokollfehler: Protokolle wie P100 und CPC, die in der Aufzugsbranche Standard sind, sind auf präzise DTMF-Signale angewiesen. Werden diese Töne im VoLTE-Netz komprimiert oder abgeschnitten, erreicht der Anruf zwar die Leitstelle, die Herkunft kann jedoch nicht mehr eindeutig identifiziert werden.
    • Inconsistency: VoLTE implementations vary across carriers, and international roaming support is still maturing, leading to unpredictable performance.

VoIP (SIP über LTE)

In einer VoIP-Architektur (Voice over IP) dient das LTE-Netz ausschließlich als Datenleitung. Das Gateway nutzt das Session Initiation Protocol (SIP), um Sprache als Datenpakete zu übertragen.

  • Vorteile:
    • Signalisierungszuverlässigkeit: VoIP ermöglicht eine wesentlich zuverlässigere Übertragung von DTMF-Tönen – wahlweise als „In-Band“-Audio oder als „Out-of-Band“-Pakete gemäß RFC 2833. Dies sichert die Integrität von Aufzugsprotokollen wie zum Beispiel P100.
    • Zukunftssicherheit: Das System ist vollständig kompatibel mit modernen digitalen Leitständen sowie VoIP-basierten Notrufzentralen.
    • Kosteneffizienz: Organisationen können aus einer Vielzahl von VoIP-Anbietern wählen und häufig deutlich günstigere Monatstarife als bei herkömmlichen Mobilfunkangeboten erzielen.
  • Zu beachten:
    • Infrastrukturwechsel: Um diese Technologie effizient nutzen zu können, muss die Empfängerseite (beispielsweise die Leitstelle oder Überwachungszentrale) in der Lage sein, SIP-/VoIP-Anrufe entgegenzunehmen.

Wie Sie Ihre Systeme modernisieren, ohne alles zu ersetzen

Der Migrationsprozess erfordert keinen vollständigen Austausch Ihrer gesamten Hardware. Der effizienteste Weg zur Modernisierung besteht darin, intelligente Gateways einzusetzen, die eine Brücke zwischen alten und neuen Systemen schlagen.

Lösungen wie das 2N EasyGate IP und das 2N EasyGate IP+ sind speziell für diesen Übergang konzipiert. Diese Geräte wandeln das analoge Signal eines vorhandenen Aufzugtelefons oder einer Notrufsprechstelle in ein digitales VoIP-/SIP-Signal um, das über das 4G-LTE-Netzwerk übertragen werden kann. Dadurch können Gebäudebetreiber ihre bestehende, funktionierende Endgeräte-Hardware beibehalten und gleichzeitig das „Herzstück“ der Kommunikationsverbindung auf einen zukunftssicheren, IP-fähigen Standard aufrüsten.

Warum frühzeitiges Handeln entscheidend ist: Der Meilenstein Januar 2027

Es ist eine riskante Strategie, abzuwarten, bis der letzte 2G-Sendemast in Ihrer Region abgeschaltet wird. Da die Abschalttermine in einigen Ländern bereits verstrichen sind und sich in anderen rasch nähern, kristallisiert sich ein Datum als zentraler Stichtag für die Branche heraus: Januar 2027. Viele große Betreiber weltweit haben dieses Datum für die vollständige Umstellung auf 4G und 5G festgelegt. Je näher diese Frist rückt, desto mehr Engpässe werden auftreten:

  1. Hardware-Engpässe: Wenn gleichzeitig Tausende Gebäude ihre Systeme nachrüsten, verlängern sich die Lieferzeiten für Gateways deutlich.
  2. Fachkräftemangel: Spezialisierte Techniker, die sowohl mit Aufzugstechnik als auch IP-Netzwerken vertraut sind, werden zunehmend gefragt sein – dadurch steigen die Installationskosten.
  3. Ungeplante Ausfälle: Netzbetreiber reduzieren oft schon Monate vor der endgültigen Abschaltung die 2G/3G-Dienstqualität, um den Umstieg voranzutreiben, was bei kritischen Systemen zu wiederkehrenden Ausfällen führen kann.
  4. Haftung und Compliance: Wer bis zur letzten Minute wartet, riskiert einen Systemausfall noch vor Abschluss der Umrüstung – mit möglichen Haftungsfolgen für Gebäudeeigentümer bei Sicherheitsvorfällen.

Fazit: Sichern Sie Ihre Zukunftsfähigkeit noch heute

Die Abschaltung von PSTN-, 2G- und 3G-Netzen markiert das Ende einer Ära in der Telekommunikation – und gleichzeitig den Beginn einer neuen Generation intelligenterer, zuverlässigerer und leichter zu verwaltender Notfallkommunikation. Wer die technischen Details kennt – insbesondere die Bedeutung zuverlässiger DTMF-Übertragung sowie die Wahl zwischen VoLTE und VoIP –, stellt sicher, dass seine kritischen Systeme weiterhin als verlässliche, lebenswichtige Verbindung dienen.

Wer heute vorausschauend plant, verhindert Notfälle von morgen. Der Januar 2027 ist näher, als man denkt – sorgen Sie rechtzeitig dafür, dass Ihre Aufzüge, Alarmanlagen und Sicherheitssysteme fit für die digitale Zukunft sind.

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Werbetexter

Grant ist ein Werbetexter und Komiker aus Schottland, der 2018 nach Prag zog und 2025 zu 2N kam. Beim Erlernen der tschechischen Sprache hat er kläglich versagt, aber zum Glück ist sein Englisch viel besser.